Der Bau von Gesundheitseinrichtungen kämpft mit chronischen Verzögerungen und Kostenüberschreitungen aufgrund fragmentierter Daten und Prozesse. Erfahren Sie, wie führende Projekte mit digitalen Zwillingen, KI und durchgängigen Datenstrukturen effizientere Krankenhäuser realisieren.
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Warum so viele Krankenhausbauten scheitern – und wie erfolgreiche Projekte es besser machen

Wie datenbasierte, digitale Ansätze den Bau von Gesundheitseinrichtungen weltweit neu definieren.

Author

Sunil Pandita

Chief Division Officer Planning & Design und Digital Twin Business Unit, Nemetschek Group

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Dieser Artikel gehört zur Collection OPEN BIM

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Weltweit befinden sich derzeit Bauprojekte für Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen im Wert von 746,5 Milliarden US-Dollar in der Pipeline. Gleichzeitig zeigt sich seit Jahren ein konstantes Bild: Die meisten dieser Großvorhaben werden weder im Zeitplan noch im Budget fertiggestellt. Laut McKinsey überschreiten 98% der Megaprojekte ihre Kosten um mehr als 30%. Besonders ausgeprägt sind diese Probleme im Krankenhausbau, der als eine der komplexesten Disziplinen der Bauindustrie gilt.

Die Ursachen liegen weniger im operativen Tagesgeschäft als in strukturellen Defiziten. Fragmentierte Daten, getrennte Planungssysteme und manuelle Abstimmungsprozesse prägen nach wie vor viele Projekte. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Regulierung, Technik und Dokumentation kontinuierlich.

Das Nadelöhr sind weder Material noch Personal

Nach mehr als zwei Jahrzehnten in dieser Branche sehe ich immer wieder dasselbe Muster – unabhängig von Region oder Projektgröße. Ein typisches Beispiel verdeutlicht die Herausforderung: Wird in einem Operationssaal der Strahlenschutz angepasst, betrifft das nicht nur die medizinische Ausstattung, sondern auch Tragwerksplanung, Gebäudetechnik, Brandschutz und Beschaffung. In vielen Projekten sind diese Bereiche jedoch nicht durchgängig miteinander vernetzt. Änderungen werden zeitverzögert oder unvollständig weitergegeben, Konflikte zeigen sich oft erst während der Bauphase.

Oft werden Lieferketten, Materialpreise oder Fachkräftemangel verantwortlich gemacht. Das sind reale Herausforderungen. Das eigentliche Problem liegt jedoch tiefer: Wir koordinieren milliardenschwere Bauprojekte immer noch auf Basis fragmentierter Informationen.

Genau hier setzt ein datengetriebener Digital-Twin-Ansatz an. Beim Projekt Glasblokkene Trinn 2 – einem 50.000 m² großen Kinderkrankenhaus in Bergen und dem größten Bauvorhaben der Region seit fast 40 Jahren – wurden mit dRofus sämtliche Planungs- und Anlagendaten in einer zentralen cloudbasierten Datenbank zusammengeführt. Das gesamte Projekt kam ohne einen einzigen gedruckten Plan aus. Live-Dashboards über alle Gewerke hinweg ermöglichten es den Beteiligten, ihre Arbeit auf Basis des tatsächlichen Fortschritts, statt von Annahmen zu koordinieren.

Ein weiteres Beispiel auf nationaler Ebene: Ende 2025 unterzeichnete Health New Zealand (Te Whatu Ora) eine landesweite Vereinbarung zur Einführung dieser Methodik. Ziel ist es, Planung, Beschaffung und Datenmanagement im Gesundheitsbau langfristig zu standardisieren. Das ist kein Pilotprojekt, sondern eine strategische Entscheidung darüber, wie Krankenhäuser künftig gebaut werden.

Früh erkennen, statt nachbessern – dank KI

Beim Projekt Nyt Hospital Nordsjælland nahe Kopenhagen (123.000 m²), einer der größten Baustellen Dänemarks, konnten allein in der Rohbauphase Nacharbeitskosten in Höhe von 5,2 Millionen Euro vermieden werden – etwa 2% des Gesamtbudgets. Diese Einsparung entstand nicht durch Kürzungen, sondern dadurch, dass Probleme erkannt wurden, bevor sie teuer wurden.

Möglich wurde das durch den Einsatz von der Ki-untersützten Bauüberwachung Imerso, die BIM, Reality Capture und automatisierte Analysen kombiniert. Ein besonders anschauliches Beispiel ist der Brandschutz: Tausende von feuerbeständigen Wandständern müssen präzise installiert werden, um ihre Zertifizierung zu erfüllen. In der Praxis werden sie jedoch häufig von nachfolgenden Gewerken beschädigt, etwa bei der Installation von Leitungen – oft unbemerkt, bevor die Wand geschlossen wird.

Durch KI-gestützte 3D-Scans konnten solche Konflikte frühzeitig erkannt und behoben werden. Die Alternative – beschädigte Brandschutzstrukturen erst bei der Abnahme oder im Betrieb zu entdecken – ist ein Risiko, das niemand eingehen möchte. Der entscheidende Punkt: Der Mehrwert von Künstlicher Intelligenz liegt nicht in der Automatisierung an sich. Er liegt darin, die Lücke zwischen Planung und tatsächlicher Ausführung zu schließen. Jede unentdeckte Abweichung ist ein Risiko – im Krankenhausbau mit direkten Auswirkungen auf die Patientensicherheit.

Der Blick über die Bauphase hinaus

Viele Diskussionen über den Bau von Gesundheitseinrichtungen enden mit der Übergabe. Doch diese Gebäude werden 30 bis 50 Jahre betrieben. Entscheidungen aus Planung und Bau haben langfristige Auswirkungen auf Betriebskosten, Energieeffizienz und Anpassungsfähigkeit.

Weltweit ist das Gesundheitswesen für mehr als 4% der Treibhausgasemissionen verantwortlich – mehr als die Luftfahrt. Krankenhäuser zählen zu den energieintensivsten öffentlich finanzierten Gebäuden. Das Problem: Ein Großteil dieses Energieverbrauchs bleibt unsichtbar. Wenn die im Planungs- und Bauprozess erzeugten Daten nicht in den Betrieb überführt werden, übernehmen Facility Manager komplexe Gebäude ohne digitales Gedächtnis.

Ein Beispiel ist das Hospital de la Santa Creu i Sant Pau in Barcelona. Mithilfe einer datenbasierten Energiemanagement-Plattform von Spacewell wurden Daten aus 140 Zählern analysiert und Unterschiede zwischen funktional ähnlichen Bereichen sichtbar gemacht. Durch gezielte Maßnahmen konnten die Energiekosten innerhalb von sechs Monaten um 28% gesenkt werden.

Konzepte wie Building Lifecycle Intelligence zielen darauf ab, Daten aus Planung, Bau und Betrieb durchgängig zu verknüpfen. Ziel ist es, Gebäude nicht nur effizient zu errichten, sondern auch langfristig besser zu betreiben.

Neue Strukturen, neue Anforderungen

Parallel verändert sich die Struktur der Gesundheitsversorgung. Neben großen Zentralkliniken entstehen zunehmend kleinere, spezialisierte Einrichtungen wie ambulante Zentren oder modulare Versorgungseinheiten. Diese Entwicklung erhöht die Anforderungen an Standardisierung und Datenkonsistenz über mehrere Standorte hinweg. Offene und interoperable Systeme gelten dabei als zentrale Voraussetzung, um Planung, Bau und Betrieb effizient miteinander zu verbinden.

Die Beispiele aus Norwegen, Dänemark, Spanien und Neuseeland zeigen, dass entsprechende Ansätze bereits im Einsatz sind. Sie deuten darauf hin, dass sich der Krankenhausbau schrittweise von projektgetriebenen Einzelprozessen hin zu datenbasierten, integrierten Modellen entwickelt.

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