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Digitale, dreidimensionale Erlebniswelten

Der Begriff des Metaverse ist derzeit in aller Munde. Doch was genau beschreibt der Begriff, was wird dafür technisch benötigt – und welche Kritikpunkte gibt es?

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Nemetschek Group

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Digitale, dreidimensionale Erlebniswelten

Dieser Artikel gehört zur Collection Media & Entertainment

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Metaverse – Ein Blick hinter das Konzept

Das so genannte Metaverse ist in aller Munde. Doch was genau der Begriff beschreibt, darüber herrscht häufig Unkenntnis. Das Metaverse ist eine Weiterentwicklung des Internets, welches aus dauerhaften, gemeinsam genutzten, virtuellen 3D-Räumen besteht. Diese Räume bilden ein wahrnehmbares, also sichtbares, virtuelles Universum – eine zusätzliche Welt, die neben der Realität existiert. Das Metaverse ist also ein auf virtueller Realität (VR) basierender Nachfolger des Internets. Das Besondere daran: Die Nutzer*innen können darin die Welten mitgestalten und dort leben, lernen, arbeiten und feiern.

Seinen Ursprung hatte das Metaverse im Spiel „Habitat“ aus dem Jahr 1985 – ein Rollenspiel ähnlich der „Sims“, ein populäres Computerspiel, bei dem die Nutzer*innen Avatare erstellen, Haushalte gründen, Freundschaften schließen und ein virtuelles Leben aufbauen können. Richtig populär wurde der Begriff aber durch Neal Stephensons Science-Fiction Roman „Snow Crash“ 1992. Nun erfährt das Konzept durch Facebooks Umbenennung in Meta und die dadurch aufkommenden Ambitionen einen erneuten Aufschwung. Der Hype rund um den Verkauf virtueller Gegenstände durch so genannte Non Fungible Token (NFTs), die einen bestimmten Gegenstand, beispielsweise eine Hose, ein Kunstwerk oder auch eine Wohnung, egal ob digital oder physisch in einer Blockchain repräsentieren, sorgen zusätzlich dafür, dass das Konzept des Metaverses sich größerer Beliebtheit erfreut.

Einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zum Metaverse legte die große Popularität der sozialen Medien. Durch diese wurden die Barrieren zwischen „echter“ und „virtueller“ Realität bereits ein Stück weit eingerissen. Es ist für uns bereits ein leichtes, andere per Livestream oder mit einem schnellen Foto an unserem Leben teilhaben zu lassen und umgekehrt. Auch Unternehmen setzen mittlerweile darauf, dass wir Produkte direkt aus dem Social Media heraus kaufen können. Im Metaverse fallen aber, im Gegensatz zu den sozialen Netzwerken dieser Tage, die Grenzen abgeschotteter Dienste weg. Statt sich überall neu einloggen zu müssen, geht alles nahtlos ineinander über. Im Idealbild des Metaverse springen wir nahtlos von einem Internetdienst zum anderen, holen Personen aus der realen Welt hinzu oder tauchen umgekehrt bei ihnen in der analogen Welt auf.

Teure Nischentechnologie oder echte Zukunftsvision?

Ein Metaverse kann allerdings nicht einfach so entstehen. Es werden dafür nicht nur Softwarelösungen und digitale Tools, sondern auch passende Hardware und Equipment auf Seiten der Nutzer*innen benötigt. Insbesondere eine stabile, leistungsstarke Internetverbindung ist für das Metaverse unerlässlich. Das Voranschreiten der 5G-Technologie sorgt dafür, dass auch die virtuellen Welten schneller miteinander verschmelzen können. Doch die Datenmassen müssen auch verarbeitet werden. Hierfür braucht es überall auf der Welt Rechenzentren, um die virtuelle Welt und ihre Teilnehmer*innen koordinieren und die entsprechenden Rechenoperationen in Blitzschnelle auszuführen – denn Verzögerungen werden von den Nutzenden bemerkt und stören das Erlebnis. Nutzende benötigen für die Wahrnehmung des Metaverse spezielle Virtual-Reality-Brillen, ein Smartphone, welches als „Eintrittskarte“ in die virtuelle Welt dient, und die Daten zwischen „echter“ und virtueller Realität austauscht. Außerdem benötigen sie einen Avatar, der sie in der virtuellen Welt repräsentiert und Kameras sowie Sensoren, die die Bewegungen und Interaktionen der User*innen aufzeichnen und in die virtuelle Welt übertragen. Zuletzt werden für den Austausch von Besitztümern und Gütern die bereits genannten Non-Fungible Token auf Basis der Blockchain-Technologie benötigt.

David McGavran, CEO von Maxon

„Um eine virtuelle 3D-Welt aufzubauen und zu animieren, brauchen Künstler*innen und Produktionsfirmen eine leistungsstarke Kreativsoftware“, sagt David McGavran, CEO von Maxon. „Als Gründungsmitglied des Metaverse Standards Forum glauben wir, dass Maxon One ein Katalysator für Kreativität, Wachstum, Innovation und unbegrenzte Möglichkeiten für Künstler*innen sein wird, die für dieses inspirierende neue Ökosystem entwickeln.“

Vor- und Nachteile des Metaverse

Das Metaverse bringt viele Vorteile mit sich: So hoffen Nutzer*innen auf einheitliche Standards und eine echte Interoperabilität der einzelnen Plattformen durch offene Schnittstellen. Dadurch können Barrieren abgebaut und ein nahtloser Übergang verschiedener virtueller Anwendungen und von der echten Realität in die virtuelle Realität entstehen. So könnte man etwa – die richtige Hardware vorausgesetzt – gleichzeitig ein Meeting in der virtuellen und realen Welt stattfinden lassen. Das Metaverse kann zudem durch das Smartphone überall mithingenommen werden: Durch die Verschmelzung von Alltag und virtueller Welt erweitert sich die Welt signifikant. Onlinespiele mit riesigen von Spielern bevölkerten Städten oder Konzerte in der virtuellen Realität mit hunderttausend Avataren, die Onlinekonzerte gleichermaßen zu einem realitätsnahen Erlebnis für Bands und Fans machen, sind dann Teil der virtuellen Erfahrung.

Verfechter*innen des Metaverses erhoffen sich viel von dem Konzept. Doch so groß die Vorteile der ungeteilten, barrierefreien virtuellen Erfahrung auch sind, es gibt auch kritische Stimmen zum Metaverse. Bis jetzt können wir zudem noch nicht von einem einheitlichen Metaverse sprechen – sondern es handelt sich um viele, voneinander abgetrennte Metaverse, zwischen denen noch kein Austausch möglich ist. Dies entspricht nicht dem ursprünglichen Konzept der Interoperabilität. Außerdem stellt sich die Frage nach den Besitzverhältnissen der Güter, die über das Metaverse erworben werden. Eine Antwort darauf bietet die Blockchain-Technologie und darauf aufbauende Non-Fungible Tokens (NFT). Damit können digitale Gegenstände als Einzelstücke gekennzeichnet und ihre Besitzverhältnisse geregelt werden. Wird dieser Standard in den Metaversen etabliert, können die Güter auch transferiert werden.

Zudem drohen insbesondere ältere Mitglieder*innen unserer Gesellschaft weiter den Anschluss zum modernen Leben zu verlieren, wenn dieses weitestgehend digital abläuft. Das Metaverse würde dieses Gefühl, noch verstärken. Beim Metaverse droht uns das, was wir bereits jetzt bei den sozialen Netzwerken erfahren können: Nutzer*innen laufen Gefahr, sich in der schönen, virtuellen Welt zu verlieren und können eine Sucht nach der Anerkennung im virtuellen Raum entwickeln, warnen Experten. Außerdem stellt sich die Frage nach der Macht der Unternehmen und wie diese staatlich reguliert werden kann. Zwar kann theoretisch jede*r das Metaverse mitgestalten, aber Konzerne ziehen aus dem Metaverse natürlich einen großen Profit. Da das Metaverse zudem eine Parallelwelt darstellt, ist fraglich, wie diese durch staatliche Normen reguliert werden kann, so der Tenor. Durch die Verknüpfung eines virtuellen Avatars mit der realen Identität einer Person droht zudem ein Verlust der Anonymität im Netz, wie sie bis jetzt zumindest noch teilweise besteht.

Hürden auf dem Weg zum umfassenden Metaverse

Auch wenn das Konzept des Metaverse gerade einen Schub erfährt, gibt es noch einige Hürden, die genommen werden müssen: Die einzelnen Metaverse müssen zunächst zusammenwachsen, auch um die Akzeptanz bei den Nutzer*innen zu steigern. Zudem gibt es noch keine einheitlichen Standards, die die Interoperabilität zwischen den einzelnen Plattformen und Firmen sicherstellen. Zuletzt sind wichtige „Spielregeln“ noch ungeklärt, beispielsweise hinsichtlich der Besitzverhältnisse von Gütern, aber auch, was die staatliche Regulierung und mögliche Sanktionierungen bei Vergehen angeht. Noch ist das Metaverse also eher ein Trend als ein ausgereiftes Konstrukt. Doch die Vergangenheit hat bereits gezeigt: Auch aus zunächst als „Trends“ verschrienen Technologien können echte Zäsuren werden für die Art und Weise, wie wir miteinander kommunizieren.

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